Patienteninformationen
Liebe Patientin, lieber Patient,
In den nächsten Wochen und Monaten werden einige
Unannehmlichkeiten auf Sie zukommen.
Grund sind die Protestaktionen der niedergelassenen Ärztinnen und
Ärzte in Baden-Württemberg.
Wir mussten uns zu dieser Maßnahme entschließen, da die Sorgen und
Forderungen von uns Ärzten anders nicht wahrgenommen werden.
Wir verstehen uns dabei auch als Anwälte unserer Patientinnen und
Patienten und nichts würden wir lieber tun, als Sie einfach optimal
medizinisch zu versorgen. Das wird uns aber von der Politik und den
Krankenkassen zunehmend schwer gemacht.
Wir haben jahrelang still gehalten, wir haben uns alles Mögliche an
Unsinn gefallen lassen und nicht aufgemuckt, um Sie nicht zu belasten,
aber jetzt ist Schluss. Alle gesundheitspolitischen Entscheidungen
werden ohne Anhörung der Ärzteschaften getroffen, oder das Angehörte
wird nicht beachtet. Wir kennen aber die Tücken und Probleme des
Systems, denn wir gewährleisten die medizinische Versorgung vor Ort
und das 24 Stunden am Tag und das unter schwierigsten Bedingungen.
Wußten Sie dass bei gesetzlicher Versicherung:
- Ihr Arzt nur eine vorgeschriebene Anzahl von Patienten pro
Quartal behandeln darf?
- Ihr Arzt im Vergleich zum Vorjahr nur einige wenige Patienten
zusätzlich annehmen darf?
- er bei diesen Patienten nur eine vorgeschriebene Anzahl
Untersuchungen vornehmen darf? (Zum Beispiel Ultraschall)
- er pro Patient im Quartal nur für eine bestimmte Summe
Medikamente verordnen darf?
- in Zukunft eines Tageslimit für Medikamente eingeführt wird und
bei Überschreitung der Arzt zahlen muss?
- seine Leistung in Punkten bezahlt wird und je mehr er leistet,
desto weniger ist der Punkt dann wert?
- täglich eine Stoppuhr mitläuft und bei Überschreitung der
limitierten Arbeitszeit die Leistungen nicht mehr bezahlt werden?
Das alles nennt sich Budgetierung und soll die Kosten senken. In
Wirklichkeit führt es dazu, dass Ihr Arzt gezwungen wird, die Versorgung
zu verschlechtern oder umsonst zu arbeiten.
Obwohl die niedergelassenen Ärzte im vergangenen Jahr Leistungen für
8 Mrd Euro umsonst erbracht haben, wird die Daumenschraube immer
weiter angezogen.
Die Nachwuchsmediziner haben längst das Interesse an diesem
eigentlich wunderbaren Beruf verloren und gehen lieber in die Industrie
oder ins Ausland. Die Praxen werden zunehmend keine Nachfolger
finden und unbesetzt bleiben.
Aber was machen Sie dann, wenn Sie krank sind?
Ulla Schmidt plant Polikliniken im Stil der ehemaligen DDR, in denen
voraussichtlich osteuropäische Ärzte zu Dumpinglöhnen arbeiten werden!
Wir möchten das Blatt wenden. Wir wollen die Katastrophe verhindern
und fordern:
- Mehr Mitspracherecht
- Bürokratieabbau
- Ende der Budgetierung
- Honorar in Euro und Cent (übrigens: Honorar heißt eigentlich
Wertschätzung)
Wir tun das vor allem auch in Ihrem Interesse und bitten Sie deshalb
um Ihr Verständnis und Ihre Unterstützung.
Ihr Ärzte aus Baden-Württemberg